JAS 47:1 (Spring 2014)

The Spring 2014 issue of the Journal of Austrian Studies includes articles by Vance Byrd, Klaus Haberkamm, Matthew Collins, Yvonne Hütter, and Christine Rinne. Get your copy here!

 

Vance Byrd

The Politics of Commemoration in Wien und die Wiener (1841-44)

Adalbert Stifter’s edited collection Wien und die Wiener is relevant for memory studies research on nineteenth-century Austria due to its generic and narrative form. As a contemporary Viennese publication that focuses on the recent past, Stifter’s “St. Stephansthurm” and Perger’s “Eine Partie nach der Lobau” suture the reader into prosthetic memory of the Battles of Aspern and Wagram through battle reenactments. These scenes suggest that continuity in Nature is greater than historical narratives of the Habsburg Empire.

 

 Klaus Haberkamm

Rechts oder links? Die Synkrisis des Protagonisten in Arthur Schnitzlers Traumnovelle

Im Mittelpunkt der Interpretation steht das anthropologische Prinzip der für die Einschätzung des kontrovers gedeuteten Schlusses der Traumnovelle relevanten Entscheidung zwischen Richtig/Gut und Falsch/Böse. Es manifestiert sich ästhetisch-symbolisch im Modell der seit der Antike vorgegebenen Synkrisis zwischen den wertbesetzten Polen Rechts/Positiv und Links/Negativ. Auf Fridolins zentrale Wahlsituation führt eine demonstrativ häufige Erwähnung der scheinbar bloßen, d. h. rein deskriptiv-topografischen, Orts- bzw. Richtungsangaben „rechts“ und „links“ hin. Der stringent suggerierte Vorgang der eigentlichen Wahl in der mysteriösen „Trauerkutsche“ bleibt freilich – ein ungewöhnliches Verfahren des Erzählers – spannungsfördernd offen; sein Ergebnis wird jedoch anschließend durch  Anspielung auf eine letztlich biblisch geprägte (Matth. 7, 13f.), doch sogar redensartlich  profanisierte Dichotomie klar bestimmt: Der Protagonist benutzt für seinen „Heimweg“ zu Fuß bezeichnenderweise eine schmale Gasse statt der näher liegenden breiten Fahrstraße. Er bekennt sich also nach den gefährlichen Versuchungen der Nacht eindeutig zu seiner Ehe. - Die  hier unterbreitete Exegese strebt an, die gleichwohl ethisch-politisch funktionelle Literarizität des Werks gegenüber einer Vielzahl vornehmlich (tiefen-)psychologisch orientierter Auslegungen herauszuarbeiten.

 

Matthew Collins

Graves of the Living: Franz Nabl’s Die Ortliebschen Frauen and the Crisis of the Family in Austrian Literature

This article re-evaluates Franz Nabl’s neglected novel Die Ortliebschen Frauen (1917), situating the text within the context of a long tradition of Austrian writing on the crisis of the family. This body of literature, which includes works by Grillparzer, Stifter and Kafka, tends to trace the dynamics of unhappy family life back to a number of key motifs, such as patriarchal tyranny, the insularity of the bourgeois family unit and the tendency towards obsession and isolation which this often produces. Nabl’s novel draws on these common aspects to produce a sustained critique of Biedermeier ideals of domesticity in urgent need of fresh critical attention.

 

Yvonne Hütter

Die Verquickung von Handlungsmacht, Determinismus und Humanismus in Leo Perutz’ Der Schwedische Reiter

Der Beitrag behandelt eine der Hauptproblematiken der Perutz-Forschung: Den Konnex von Determinismus und Freiheit. Die Waagschale schlägt in der Forschung meist für die Seite des Determinismus aus. Ich argumentiere hier gegen und zeige, wo sich agency und Freiheit in Perutz‘ Roman „Der schwedische Reiter“ findet und an welche Mechanismen sie gebunden ist. Ich liefere eine differenzierte Ausbuchstabierung des Verhältnisses von Freiheit und Determinismus in Perutz‘ Roman und mache damit den von der Forschung beschworenen, aber nicht ausreichend begründeten Bruch in Perutz‘ Schreiben ab dem „schwedischen Reiter“  nachvollziehbar:  Perutz bzw. sein Erzähler verpflichtet sich im „schwedischen Reiter“ nicht länger dem Geschichtspessimismus, sondern dem Humanismus; dieser ist jedoch  immer an eine Idee der Freiheit gebunden (wenn auch, wie ich zeige, nicht an eine völlig indeterminierte), die Perutz im "Reiter" zur Anwendung bringt.

  

Christine Rinne

Denying an Ideal: Maidservants in the Works of Sacher-Masoch and Freud

This article explores late nineteenth-century texts by Sacher-Masoch and Freud to demonstrate that the liminal role the maidservant played within the family made her the ideal sexual object. Simultaneously she must be contained, because she has the ability to destroy the familial institution by displacing the mother. Both authors attempt to carve out a space in order to preserve the mother, but this does not reflect common social practices, including their own childhood experiences.